Abstract
Thema: Innovative Behandlungsstrategien bei Alkoholgebrauchsstörungen: rTMS, GLP-1-Rezeptoragonisten und Alkohol-Inhibitionstrainin | Prof. Dr. Ulrich Preuß
Einleitung: Alkoholkonsumstörungen (AUD) bleiben trotz etablierter Pharmako- und Psychotherapien durch Rückfall, Craving und Kontrollverlust geprägt. Der Vortrag bewertet drei mechanismenbasierte Add-on-Behandlungsstrategien: repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS), GLP-1-Rezeptoragonisten und alkoholspezifisches Inhibitionstraining.
Methoden: Die Evidenz aus randomisierten bzw. kontrollierten Studien und meta-analytischen Auswertungen wurde narrativ integriert. Priorisierte Endpunkte waren Craving, Heavy-Drinking-Days, Abstinenz, Rückfall und weitere Outcomes.
Ergebnisse: rTMS zeigte eine positive, jedoch heterogene Wirkung auf Craving im Follow-up bis drei Monate (g = 0,72; 95 %-KI 0,14-1,30), bei fragiler Robustheit der Studien und begrenzter Abstinenzevidenz. GLP-1-Rezeptoragonisten sind biologisch plausibel; Semaglutid reduzierte den Alkoholkonsum, Drinks pro Trinktag und Craving, während gepoolte AUD-Endpunkte unsicher blieben. Inhibitionstraining war niedrigschwellig skalierbar, erreichte jedoch nur einen kleinen, nicht gesicherten statistischen Trend (g = -0,19; p = 0.089).
Diskussion: Die Verfahren sollten derzeit nicht als alleinige Therapien, sondern als hypothesengeleitete Add-ons innerhalb leitliniengerechter Versorgung verstanden werden. Erforderlich sind größere, präregistrierte RCTs mit harmonisierten Endpunkten, längere Follow-up Perioden, Erfassung objektiver Alkoholmarker, Sicherheitsmonitoring und mechanismenbasierte Subgruppenanalysen.
Thema: Stigma-Reduzierung bei Medizinstudierenden – Ergebnisse einer randomisiert-kontrollierten Studie | Dr. Anja Bischof
Einleitung: Die Stigmatisierung von Alkoholkonsumstörungen (AKS) ist auch bei Ärzten und Ärztinnen stark verbreitet und trägt zu verminderter Inanspruchnahme von Hilfen und verschlechterten Behandlungsoutcomes bei. Bereits bei Studierenden der Humanmedizin lassen sich stigmatisierende Einstellungsmuster erkennen. Um die Früherkennung und Identifizierung von AKS, die Erreichbarkeit und die Versorgung zu verbessern, ist es daher sinnvoll, bereits bei Medizinstudierenden Stigma abzubauen.
Methodik: An den Universitäten Lübeck und Leipzig wurde in einem kontrollierten Studiendesign die Wirksamkeit eines Curriculums zur Reduzierung stigmatisierender Einstellungen von Medizinstudierenden im Blockpraktikum Psychiatrie geprüft. Die Kontrollbedingung (KG) umfasste die Standardlehre im Blockpraktikum (Winter- und Sommersemester 2023-24), in der Interventionsgruppe (IG; Winter- und Sommersemester 2024-25) wurde zusätzlich ein 120-minütiges partizipativ entwickeltes Curriculum inkludiert. Die IG erhielt direkt nach der Intervention eine Post-Befragung. Die Wirksamkeit wurde mit einem 6-Monats-Follow-Up in beiden Gruppen nach der Baseline-Erhebung geprüft.
Ergebnisse: Insgesamt nahmen 805 Studierende teil (IG: n=385, KG: n=420). Zum Follow-Up Zeitpunkt konnte eine signifikante Reduzierung von stigmatisierenden Haltungen gegenüber AKS in der Interventionsgruppe festgestellt werden. Der Effekt der Intervention war in der Post-Befragung in der IG deutlich stärker als im Follow-Up, verglichen mit der KG blieb er jedoch signifikant.
Schlussfolgerungen: Bei einem substanziellen Teil der Medizinstudierenden liegen ungünstige Einstellungsmuster gegenüber Alkoholkonsumstörungen vor, was einen negativen Effekt auf Erreichbarkeit und Versorgung Betroffener hat. Mit der fakultativen Einführung eines kurzen Curriculums in die Standardlehre können diese Einstellungsmuster wirksam reduziert werden. Mit Hinblick auf die Abschwächung des Effekts sollten regelmäßige Auffrischungen des Kurses durchgeführt werden.
Thema: Ambulante Psychotherapie bei (stoffgebundenen) Suchterkrankungen. | Nina Krec-Hautmann
Dieser Vortrag beleuchtet die derzeitige Versorgungssituation in der ambulanten Psychotherapie bei Suchterkrankungen unter Berücksichtigung struktureller Entwicklungen und aktueller (verhaltens)therapeutischer Ansätze.