Abstract
Thema: Mythos Co-Abhängigkeit | Dr. Gallus Bischof
Abhängigkeitserkrankungen sind mit hohen Belastungen für das soziale Umfeld verbunden. Das Leiden erwachsener Angehöriger von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen wurde in Versorgung und Populärpsychologie lange Zeit durch das stigmatisierende Konzept der „Co-Abhängigkeit“ bewertet. Der vorliegende Beitrag skizziert konzeptionelle Unschärfen des
Ansatzes, empirische Beobachtungen zu Angehörigen von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen und stellt nicht-stigmatisierende Alternativen zum Co Abhängigkeitsmodell dar.
Thema: Co-Abhängigkeit – ein hilfreicher Begriff oder eine
Sackgasse für Angehörige? | Dr. Christiane Erbel
Der Begriff „Co-Abhängigkeit“ prägt seit Jahrzehnten die Arbeit mit Angehörigen suchtkranker Menschen. Für viele Eltern suchtkranker Kinder und Jugendlicher ist er jedoch ambivalent:
Manche erleben ihn als hilfreich, um eigene Überforderung, Kontrollversuche oder belastende Beziehungsmuster besser zu verstehen. Andere erfahren den Begriff als stigmatisierend, vereinfachend oder sogar als implizite Mitschuldzuweisung in einer ohnehin hoch belastenden
Lebenssituation. Der Vortrag beleuchtet den Begriff der Co-Abhängigkeit aus der Perspektive betroffener Eltern. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob der Begriff insbesondere für die Elternrolle passend ist, denn Eltern sind gegenüber ihren suchtkranken Kindern fürsorgepflichtig und haben
entwicklungspsychologisch die Aufgabe, ihre Kinder auf dem Weg ins Erwachsenenalter zu unterstützen und zu begleiten. Diskutiert werden unter anderem: mögliche entlastende und problematische Wirkungen des Begriffs auf Eltern, sowie dessen Bedeutung in der Eltern Selbsthilfe. Der Vortrag plädiert für eine differenzierte, nicht-pathologisierende Sicht auf Eltern und Familien sowie für eine stärkere Einbeziehung ihres Erfahrungswissens in Prävention, Suchthilfe und Versorgung.