Abstract
Thema: ADHS und Sucht | Dr. Manfred Nowak
Viele wissenschaftliche Untersuchungen weisen bei ADHS-Patienten einen erhöhten Substanzmissbrauch sowie Abhängigkeitgefährdung auf .
ADHS muss heute eindeutig als Risikofaktor für die Entstehung von Suchterkrankungen eingestuft werden. Die oftmals gestörte Selbstwertentwicklung, bedingt durch ADHS spezifische Verhaltensweisen, sowie die Problematik des veränderten Dopaminstoffwechsels bei ADHS ist ein wichtiger Auslöser des Substanzmissbrauchs bis hin zur Abhängigkeit von psychoaktiven Substanzen und anderen Süchten.
Die Risikobereitschaft, sowie das Verlangen von ADHS Patienten Substanzen missbräuchlich zu konsumieren ist deutlich erhöht („Sensation-Seeking“) was zum Teil auch durch die „Dopaminmangelhypothese“ erklärt wird
Bei einem hohen Prozentsatz von heroinabhängigen Patienten, die sich in der Substitutionsbehandlung mit Ersatzmittel befinden ist eine ADHS Vorgeschichte mit entsprechenden Entwicklungsdefiziten gegeben
Zunehmend kommen Substitutionspatienten mit dem Anliegen, neben der Substitutionsbehandlung auch mit Methylphenidat oder anderen ADHS Medikamenten oder medizinischem Cannabis behandelt zu werden.
Gleichzeitig zeigt sich ein zunehmender Missbrauch von Methylphenidat gerade in der Personengruppe der Opiatabhängigen, die sich in Substitutionsbehandlung befinden
Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung von ADHS Patienten sind Voraussetzung, sich auf eine medikamentöse Mitbehandlung der Komorbidität ADHS bei Substituierten einzulassen.
In dem Vortrag wird auf die Zusammenhänge von AD(H)S und Abhängigkeitsverhalten eingegangen, sowie die Besonderheiten der Behandlung bei Suchtpatienten und Patienten in Substitutionsbehandlung.
Thema: PTBS und Sucht | Dominika Mandrek-Ewers
Sucht und Traumafolgestörungen treten überdurchschnittlich häufig komorbide auf, ca. 70-90% der Suchtkranken haben Traumatisierungen, meist vor dem Beginn der Suchterkrankung, erlitten. Etwa jede(r) 5. PatientIn mit einer Alkoholabhängigkeit und jede(r) 3. PatientIn mit einer Polytoxikomanie erfüllen die Kriterien für eine PTBS (vgl. Schäfer 2000, Schmidt 2000, Krausz u. Briken 2002, Driessen, Suthmann, Lüdecke 2008, Wu et al. 2010), unter Einschluss subsyndromaler Formen der PTBS verdoppelt sich die Zahl der Betroffenen. Bei Menschen mit Traumatisierungen ist ein früherer Beginn und gravierender Verlauf der Suchterkrankung feststellbar mit erheblichausgeprägtenpsychosozialen Problemen und persönlichen Funktionsstörungen.
Der Substanzmittelkonsum wird zunächst als Versuch einer Selbstmedikation (Khantzian 1997) verstanden. Alkohol und Drogen lindern spezifische posttraumatische Symptome wie Intrusionen, dissoziatives Erleben, Hyperarousal oder traumaassoziierte Alpträume. Im weiteren Konsumverlauf entwickelt sich eine Abhängigkeitserkrankung mit eigenen Störungsmechanismen, die die zugrundeliegende Traumafolgestörung überformt.Abhängige, traumatisierte Patienten werden im Verlauf der Suchterkrankung durch Gefahren eines spezifischen Lebensstils und tiefer Traumaprozesse häufig Opfer weiterer Traumatisierungen. Sie halten PTBS und Sucht aufrecht und intensivieren sie.
Der Vortrag skizziert das Spannungsfeld aus frühem Trauma, Suchtentwicklung und ineinandergreifenden Mechanismen beider Störungen sowie gibt Einblick in die Implikationen für (integrative) Behandlung.