Abstract
Thema: Von der Zufallsentdeckung zur evidenzbasierten Therapie: Die (Erfolgs-)geschichte der Psychopharmaka | Dr. Daniel Lüdecke
Die Entwicklung der Psychopharmaka gehört zu den faszinierendsten Kapiteln der modernen Medizin. Viele der bahnbrechenden Substanzen, die heute selbstverständlich in der Behandlung psychischer Erkrankungen eingesetzt werden, verdanken ihre Entdeckung nicht gezielter Forschung, sondern glücklichen Zufällen. Die Beobachtungen der stimmungsaufhellenden Wirkung von Isoniazid, die Entdeckung der antipsychotischen Eigenschaften von Chlorpromazin oder die Wiederentdeckung von Lithium markieren Meilensteine, die die Behandlung psychischer Erkrankungen grundlegend verändert haben. Der Vortrag zeichnet den Weg von den ersten Psychopharmaka der 1950er-Jahre bis hin zu modernen, evidenzbasierten Therapiekonzepten nach. Dabei werden nicht nur die historischen Hintergründe und wissenschaftlichen Durchbrüche beleuchtet, sondern auch die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Aus einer Zeit, in der psychiatrische Behandlungsmöglichkeiten stark begrenzt waren, entstand eine differenzierte Psychopharmakotherapie, die heute Millionen Patientinnen und Patienten ein selbstbestimmteres Leben ermöglicht. Neben der Geschichte der wichtigsten Wirkstoffgruppen – Antidepressiva, Antipsychotika, Stimmungsstabilisierer und Anxiolytika – werden aktuelle Erkenntnisse zu Wirksamkeit, Sicherheit und Grenzen der Behandlung vorgestellt. Darüber soll gezeigt werden, wie sich das Verständnis psychischer Erkrankungen und ihrer Behandlung im Laufe der Jahrzehnte gewandelt hat und welche Herausforderungen sich für die moderne Versorgung ergeben.
Thema: Vom Müssen müssen – Zwangsstörungen. | PD Dr. Tobias Skuban-Eiseler
Zwangsstörungen genießen im Allgemeinen einen zweifelhaften Ruf. Viele Menschen gehen weiterhin hartnäckig davon aus, dass es sich hierbei um eine Gruppe von Erkrankungen handelt, die nur sehr schwer zu behandeln ist. Dafür spricht auch die vergleichsweise geringe Aufmerksamkeit, die Zwängen in psychiatrischen Routineuntersuchungen zuteil wird. Dabei sind Zwangsstörungen mit einer Lebenszeitprävalenz von 2-3 % eine eher häufige psychische Erkrankung, die aber leider allzu oft übersehen wird. Für Zwänge gibt es mittlerweile sehr effektive und etablierte Behandlungsmethoden, die die Annahme, Zwänge seien schwer zu behandeln, Lügen straft. Dieser Vortrag möchte einen Überblick über Zwänge und Zwangsstörungen geben, er möchte insbesondere ein Verständnis dafür entwickeln, warum Zwangsstörungen aufgrund ihrer eigenen Charakteristika spezifische Methoden der Behandlung brauchen. Das Motto dieses Vortrags könnte lauten: „Keine Angst vor Zwängen!“ – Zwänge können für die Patient*innen sehr belastend sein, sie verdienen aber deutlich mehr Aufmerksamkeit, denn so lästig sie sind, so effektiv können sie auch in den Griff gebracht werden.