Location: P4

  • Empathie und Empowerment bei Alkoholabhängigkeit: Stigma im Umgang mit Betroffenen überwinden; Vorstellung Rollenspiele und interaktive Reflexionsmodule

    Abstract

    Hintergrund:
    Alkoholabhängigkeit bleibt in Deutschland stark stigmatisiert, besonders auch im Arbeitsumfeld, sowie im Gesundheits- und Suchthilfesystem. Scham- und Schuldgefühle unter Führungskräften, Fachkräften,
    Betroffenen und Angehörigen führen zu Verheimlichung, Sprachlosigkeit, Verzögerung von Hilfesuche und verdecktem Leid in Form von gegenseitiger (Selbst-) Stigmatisierung und persönlichen Abwertung im
    Alltag. Rollenspiele gelten als praxisnahe Interventionsmethode, die durch Perspektivübernahme und Verhaltensübungen zur Entstigmatisierung beitragen kann. Ziel dieses Workshops ist es, Wirkmechanismen,
    Wirksamkeit und Implementationsbedingungen von Rollenspielen im Kontext von Alkoholabhängigkeit systemisch zu beleuchten und praxisnahe Empfehlungen für Aus‑ und Fortbildung sowie niedrigschwellige Präventionssettings zu formulieren.


    Methoden:
    Das Peer Assistance Program wurde auf Basis evidenzbasierter Interventionen wie MI (Motivational Interviewing) und CRAFT (Community Reinforcement Approach & Family Training) in Kombination mit
    wissenschaftlichen Anwendungsmodellen zur psychosozialen Selbstreflexion und Entstigmatisierung sowie mit psychoedukativen Elementen und gelebten Peer-Erfahrungen in verschiedenen Rollen kombiniert. In diesem Workshop wird demonstriert und zum Mitmachen
    eingeladen, über Rollenspiele das Stigmatisierungspotential unserer Alltagssprache für medizinische Fachkräfte, Führungskräfte, Familien und Kinder in verschiedenen Rollen auf gleiche wirkungsvolle Weise gemeinsam aktiv zu gestalten und in Interaktion miteinander zu reflektieren.


    Ergebnisse:
    Rollenspiele fördern Mechanismen der Entstigmatisierung und helfen, kommunikative Belastungen in unserer Sprache, die Stigma fördern, rollenübergreifend zu erkennen und abzubauen. Sie wirken über Perspektivübernahme, kognitive Umstrukturierung und emotionale Sensibilisierung. Strukturierte Anleitungen und klare Sicherheitsrahmen
    sind entscheidend, um Retraumatisierung und Schamsteigerung zu vermeiden. In unseren Einsätzen in Kliniken, Unternehmen und Schulen zeigt sich eine direkte Verbesserung empathischer Haltung und eine
    reduzierte soziale Distanz gegenüber Betroffenen. Wissenszuwächse und konkrete Kommunikationsfertigkeiten wurden häufiger berichtet als rein kognitive Lerninhalte. Schwierigkeiten ergaben sich bei fehlenden Ressourcen für Nachsorge, unklaren Verantwortlichkeiten und kulturell bedingter Scham, die Interventionen in manchen Settings hemmt.


    Schlussfolgerung:
    Rollenspiele sind ein effektives, adaptierbares Instrument zur Reduktion von Stigma gegenüber Menschen mit Alkoholabhängigkeit, vorausgesetzt, sie werden fachlich begleitet, traumafachlich sensibel gestaltet und mit
    Implementationsstrategien verknüpft. Strukturierte Evaluationen zur Langzeitwirkung und weitere kontrollierte Studien wären notwendig, um Effekte zu quantifizieren und die Übertragbarkeit auf unterschiedliche Sozialisationsgruppen weiter zu prüfen.
    Schlüsselwörter: Alkoholabhängigkeit, Selbststigma, Rollenspiel, Fortbildung, Implementierung.


    Literatur:
    Schürmann, C. (2026). Empathie und Empowerment bei
    Alkoholabhängigkeit: Stigmatisierung im Umgang mit Betroffenen überwinden. Springer Berlin Heidelberg.


    Über die Workshop-Leitung:
    Carolin Schürmann (Dipl. Sozialwi. Univ., Gründerin GERTY NUSS) und Stefan Schenk (CRAFT-Trainer, Projektleitung Schule GERTY NUSS) sind professionelle Peers, die sich auf die Entstigmatisierung von Abhängigkeit
    mit interaktiven Gruppenformaten spezialisiert haben.

  • Psychiatrie für Nichtpsychiater

    Abstract

    Thema: Von der Zufallsentdeckung zur evidenzbasierten Therapie: Die (Erfolgs-)geschichte der Psychopharmaka | Dr. Daniel Lüdecke

    Die Entwicklung der Psychopharmaka gehört zu den faszinierendsten Kapiteln der modernen Medizin. Viele der bahnbrechenden Substanzen, die heute selbstverständlich in der Behandlung psychischer Erkrankungen eingesetzt werden, verdanken ihre Entdeckung nicht gezielter Forschung, sondern glücklichen Zufällen. Die Beobachtungen der stimmungsaufhellenden Wirkung von Isoniazid, die Entdeckung der antipsychotischen Eigenschaften von Chlorpromazin oder die Wiederentdeckung von Lithium markieren Meilensteine, die die Behandlung psychischer Erkrankungen grundlegend verändert haben. Der Vortrag zeichnet den Weg von den ersten Psychopharmaka der 1950er-Jahre bis hin zu modernen, evidenzbasierten Therapiekonzepten nach. Dabei werden nicht nur die historischen Hintergründe und wissenschaftlichen Durchbrüche beleuchtet, sondern auch die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Aus einer Zeit, in der psychiatrische Behandlungsmöglichkeiten stark begrenzt waren, entstand eine differenzierte Psychopharmakotherapie, die heute Millionen Patientinnen und Patienten ein selbstbestimmteres Leben ermöglicht. Neben der Geschichte der wichtigsten Wirkstoffgruppen – Antidepressiva, Antipsychotika, Stimmungsstabilisierer und Anxiolytika – werden aktuelle Erkenntnisse zu Wirksamkeit, Sicherheit und Grenzen der Behandlung vorgestellt. Darüber soll gezeigt werden, wie sich das Verständnis psychischer Erkrankungen und ihrer Behandlung im Laufe der Jahrzehnte gewandelt hat und welche Herausforderungen sich für die moderne Versorgung ergeben.

    Thema: tba | PD Dr. Tobias Skuban-Eiseler

  • Netzwerktreffen Alkoholaversive Pharmakotherapie (NAP)

    Abstract

    Seit 2018 haben sich Ärzte und Einrichtungen, die Disulfiram als Rückfallschutz bei Alkoholabhängigkeit einsetzen zum „Netzwerk alkoholaversive Pharmakotherapie“ zusammengeschlossen. Aktuell sind wir etwas über 100 Ärzte, Pflegekräfte, Sozialpädagogen und Psychologen. Wir unterstützen uns gegenseitig mit Tips zu patientenbezogenen Fragen und indem wir Materialien zur rechtssicheren Behandlung zur Verfügung stellen. Unsere Grunderfahrung ist, dass Disulfiram die psychotherapeutische Behandlung entscheidend unterstützen kann, so dass auch dann noch Stabilität erreicht werden kann, wenn alle leitliniengerechten Behandlungsformen gescheitert sind. Das gilt insbesondere im Kontext der Opiatsubstitutionstherapie. Im Seminar wollen wir uns weiter vernetzen und laden deshalb ganz besonders neue Kollegen aller Fachrichtungen einladen, die noch keine eigene Erfahrung mit Disulfiram haben und sich darüber erstmals näher informieren möchten. Im Austausch lernen wir voneinander. Fortbildungsvideo dazu siehe https://youtu.be/9sVzJ5RMjcU

  • Motivational Interviewing ein kurzes Einführungsseminar mit praktischen Übungen – Teil 2 📝

    Das Seminar Motivational Interviewing besteht aus 2 Blöcken. Die Anmeldung erfolgt über den Programmpunkt Teil 1: Anmeldung

    Abstract

    Motivational Interviewing (MI) dient der Herausarbeitung von Ambivalenzkonflikten und der Förderung der Veränderungsbereitschaft der Klienten diese Konflikte selbst aktiv zu bearbeiten. MI basiert auf einer empathischen Grundhaltung, dem Herausarbeiten von
    Widersprüchen und Ambivalenzkonflikten ohne Wertung; besondere Bedeutung hat der elastische Umgang mit Widerstand ohne jegliches Argumentierens und Werten seitens des Therapeuten und die Förderung von Zuversicht.
    Ziel ist, Ambivalenzkonflikte aufzudecken und zu verstehen, den Patienten zu unterstützen seine Ambivalenzkonflikte wahrzunehmen und seine Veränderungsbereitschaft zu fördern, ausgehend von seiner konkreten Lebenssituation.
    Das bedeutet

    – Veränderungen z. B. im Lebensstil sind nur mit und durch, nicht aber für, ohneoder gar gegen den Betroffenen möglich,
    – Störungen und Widerstand im Gesprächsverlauf sind eine Herausforderung an den Therapeuten sein Vorgehen zu ändern und
    – Patienten sind von Ambivalenz geprägt sowohl gegenüber dem Status quo als auch Veränderungen ihres Lebensstils, diese Ambivalenz ist Dreh- und Angelpunkt der
    Intervention.


    Die Wirksamkeit von MI und MI-gemäßer Kurzintervention ist inzwischen vielfach untersucht und nachgewiesen worden. Im Trainingskurs werden konzeptioneller Ansatz
    sowie Prinzipien und Strategien vorgestellt, in praktischen Übungen vertieft und reflektiert mit dem Ziel, Ansatzpunkte für die eigene Wahrnehmung von Veränderungsmotivation zu erarbeiten und den elastischen Umgang mit Widerstand zu fördern.

  • Motivational Interviewing ein kurzes Einführungsseminar mit praktischen Übungen – Teil 1 📝

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    Anmeldung MI Teil 1

    12 Teilnehmer
    8 verbleibend
    Hier reservieren

    Abstract

    Motivational Interviewing (MI) dient der Herausarbeitung von Ambivalenzkonflikten und der Förderung der Veränderungsbereitschaft der Klienten diese Konflikte selbst aktiv zu bearbeiten. MI basiert auf einer empathischen Grundhaltung, dem Herausarbeiten von
    Widersprüchen und Ambivalenzkonflikten ohne Wertung; besondere Bedeutung hat der elastische Umgang mit Widerstand ohne jegliches Argumentierens und Werten seitens des Therapeuten und die Förderung von Zuversicht.
    Ziel ist, Ambivalenzkonflikte aufzudecken und zu verstehen, den Patienten zu unterstützen seine Ambivalenzkonflikte wahrzunehmen und seine Veränderungsbereitschaft zu fördern, ausgehend von seiner konkreten Lebenssituation.
    Das bedeutet

    – Veränderungen z. B. im Lebensstil sind nur mit und durch, nicht aber für, ohneoder gar gegen den Betroffenen möglich,
    – Störungen und Widerstand im Gesprächsverlauf sind eine Herausforderung an den Therapeuten sein Vorgehen zu ändern und
    – Patienten sind von Ambivalenz geprägt sowohl gegenüber dem Status quo als auch Veränderungen ihres Lebensstils, diese Ambivalenz ist Dreh- und Angelpunkt der
    Intervention.


    Die Wirksamkeit von MI und MI-gemäßer Kurzintervention ist inzwischen vielfach untersucht und nachgewiesen worden. Im Trainingskurs werden konzeptioneller Ansatz
    sowie Prinzipien und Strategien vorgestellt, in praktischen Übungen vertieft und reflektiert mit dem Ziel, Ansatzpunkte für die eigene Wahrnehmung von Veränderungsmotivation zu erarbeiten und den elastischen Umgang mit Widerstand zu fördern.

DG Suchtmedizin
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