Abstract
Bindungstraumatisierungen und Sucht
Schwere Bindungstraumatisierungen sind in den Biographien von Menschen mit Abhängigkeitsstörungen häufig zu finden. Sie gehören zu den langandauernden Typ-II-Traumata („man made trauma“) und entstehen durch Gewalt, Zurückweisung oder Ablehnung im Bindungssystem, in dem die Betroffenen leben. Im klinischen Alltag werden sie meist „en passant“ erfasst und nur selten spezifisch diagnostisch und therapeutisch adressiert. Subtile und komplexe Traumatisierungen sowie ein polymorphes, diffuses Störungsbild erschweren Diagnostik und spezifische Therapie. Bindungstraumata halten langfristig und erfolgreich Suchtmechanismen aufrecht.
Es wird ein klinisch entwickeltes, kognitiv-verhaltenstherapeutisch basiertes 4- Phasenkonzept zur Behandlung von Bindungstraumata vermittelt, eingebettet in das „Göttinger Modell“. Bindungstraumata werden gezielt diagnostiziert und konfrontativ bearbeitet. Der Kern der Behandlung ist die Traumasynthese, Aktivierung und Konsolidierung von Bindungsressourcen sowie Integration der Ergebnisse der Traumasynthese bilden einen weiteren Therapiefokus.
PatientInnenvignetten und methodisches Vorgehen werden vorgestellt. Filmaufnahmen aus Behandlungen sollen kurz- und langfristige Therapieverläufe verdeutlichen.
Literatur:
Lüdecke C, Sachsse U, Faure H (2010) (Hrsg): Sucht – Bindung – Trauma. Psychotherapie von Sucht und Traumafolgen im neurobiologischen Kontext.
Wesselman, D. (2016): Heilen der primären Wunde- Behandlung von Bindungstrauma mit EMDR bei Erwachsenen. Arbeitsvorlage für Fortbildung EMDR-Institut Deutschland.
Bowlby, J. (1973). Attachment and Loss: Vol 2. Separation: Anxiety and Anger. New York: Basic Books.