Der persönliche Glaube, die gelebte Sexualität und der Tod sind in der täglichen ambulanten Versorgung von Suchtpatienten wenig Thema. Sowohl Patienten als auch Therapeuten vermeiden diese Themenbereiche gerne sowohl im ambulanten Setting der Kurzkontakte als auch in der Psychotherapie. Zunächst geben wir einen Überblick darüber, wie und warum sich das Vermeidungsverhalten von beiden Seiten entwickelt. Im nächsten Schritt möchten wir unsere gemeinsame Vermeidung gerne vermeiden und Glaube, Sex und Tod mehr und angemesseneren Raum und Zeit geben, um eine bessere Sprachfähigkeit im Arbeitsalltag erreichen zu können. Also let´s talk about belief, sex and death!
Location: P5-6
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DRUCK-Surv – Hohe Prävalenz von Hepatitis B, C und HIV bei Menschen mit injizierendem Drogengebrauch in Deutschland
Abstract
Hintergrund und Ziele: Personen, die Drogen injizieren, sind überproportional von Hepatitis B (HBV), Hepatitis C (HCV) und HIV betroffen. In der DRUCK-Surv-Studie werden biologische und Verhaltensdaten erhoben, mit denen Indikatoren zur Erreichung der WHO-Ziele für die Eliminierung dieser Infektionen bei Personen, die Drogen injizieren, gemessen werden. DRUCK Surv soll als wiederkehrendes Monitoring eine kontinuierliche Bewertung und darauf aufbauend eine gezielte Anpassung von Strategien und Maßnahmen ermöglichen. Methoden: Im Rahmen der ersten DRUCK-Surv-Studie wurden 2025 (Februar-August) bundesweit biologische und soziodemographische Daten sowie Daten zu Verhalten und Zugang zur Versorgung bei Personen, die Drogen injizieren, erhoben. Die Rekrutierung, Testung und Befragung der
Studienteilnehmenden erfolgten durch Einrichtungen der Drogenhilfe und Substitutionspraxen in 29 Städten. Kapilläres oder venöses Blut wurde auf HBV (anti-HBc, Anti-HBs, HBs-Ag), HCV (Anti HCV, HCV-RNA) und HIV (anti-HIV + Bestätigungstest) untersucht. Zusätzlich füllten die
Teilnehmenden einen Fragebogen aus, erhielten eine Aufwandsentschädigung und konnten ihre Testergebnisse erhalten. In diesem Abstract werden überwiegend Daten von Teilnehmenden, die in den letzten 12 Monaten Drogen injiziert haben, präsentiert. Aufgrund fehlender Angaben bzw. unzureichender Proben variieren die Nenner in den einzelnen Analysen. Resultate:Die Rekrutierung der Teilnehmenden (N=2.578) erfolgte zu 50% (1.277/2.574) in Einrichtungen der Drogenhilfe, zu 31% (808/2.574) in Drogenkonsumräumen und zu 19% (489/2.574) in Substitutionseinrichtungen. Von den 2.578 Teilnehmenden berichteten 1.761 Personen, in den letzten 12 Monaten Drogen injiziert zu haben. Das mediane Alter der Teilnehmenden, die in den letzten 12 Monaten Drogen injiziert haben, betrug 43 Jahre und 73% (1.284/1.755) waren männlich. In den letzten 12 Monaten waren 44% (763/1.739) obdachlos, und 24% (415/1.715) inhaftiert, 61% (1.058/1.737) gaben an, aktuell eine Substitutionsbehandlung zu erhalten und bei 10% (170/1.738) lag keine Krankenversicherung in Deutschland vor. In den letzten 12 Monaten wurden 57% (983/1.716) auf HCV und 52% (898/1.732) auf HIV getestet. Die Prävalenzen der untersuchten Infektionen unter Teilnehmenden, die in den letzten 12 Monaten Drogen injiziert haben, betrugen: aktive HCV-Infektion 34% (554/1.734), jemalige HCV-Infektion 81% (1.350/1.668), HIV-Infektion 5,3% (86/1.625), aktuelle HBV-Infektion 2,4% (34/1.392) und jemalige HBV-Infektion 26% (360/1.394). Schlussfolgerung: Die in der Studie identifizierten alarmierend hohen Prävalenzen – insbesondere von Hepatitis C – bei Personen, die Drogen injizieren, deuten auf bestehende Defizite in Prävention und medizinischer Versorgung hin. Wohnungslosigkeit und frühere Inhaftierung als bekannte Risikofaktoren für eine Infektion wurden von einem hohen Anteil der Teilnehmenden berichtet. Zum Erreichen der WHO-Ziele müssen Test- und Behandlungsangebote für Infektionskrankheiten verstärkt in bestehende medizinische Strukturen integriert werden, wie zum Beispiel in Suchtmedizin und Substitutionsbehandlung, auch in Haft.
Niedrigschwellige Angebote sollten ausgebaut werden, um Maßnahmen der Schadensminimierung, Testung und Versorgung zielgruppengerecht vorzuhalten. Wir empfehlen
lokale Kooperationen und die Begleitung positiv getesteter Personen in die infektiologische Versorgung. -
Trauma und Sucht – Fokus Bindungstrauma🎥
Abstract
Bindungstraumatisierungen und Sucht
Schwere Bindungstraumatisierungen sind in den Biographien von Menschen mit Abhängigkeitsstörungen häufig zu finden. Sie gehören zu den langandauernden Typ-II-Traumata („man made trauma“) und entstehen durch Gewalt, Zurückweisung oder Ablehnung im Bindungssystem, in dem die Betroffenen leben. Im klinischen Alltag werden sie meist „en passant“ erfasst und nur selten spezifisch diagnostisch und therapeutisch adressiert. Subtile und komplexe Traumatisierungen sowie ein polymorphes, diffuses Störungsbild erschweren Diagnostik und spezifische Therapie. Bindungstraumata halten langfristig und erfolgreich Suchtmechanismen aufrecht.
Es wird ein klinisch entwickeltes, kognitiv-verhaltenstherapeutisch basiertes 4- Phasenkonzept zur Behandlung von Bindungstraumata vermittelt, eingebettet in das „Göttinger Modell“. Bindungstraumata werden gezielt diagnostiziert und konfrontativ bearbeitet. Der Kern der Behandlung ist die Traumasynthese, Aktivierung und Konsolidierung von Bindungsressourcen sowie Integration der Ergebnisse der Traumasynthese bilden einen weiteren Therapiefokus.
PatientInnenvignetten und methodisches Vorgehen werden vorgestellt. Filmaufnahmen aus Behandlungen sollen kurz- und langfristige Therapieverläufe verdeutlichen.
Literatur:
Lüdecke C, Sachsse U, Faure H (2010) (Hrsg): Sucht – Bindung – Trauma. Psychotherapie von Sucht und Traumafolgen im neurobiologischen Kontext.
Wesselman, D. (2016): Heilen der primären Wunde- Behandlung von Bindungstrauma mit EMDR bei Erwachsenen. Arbeitsvorlage für Fortbildung EMDR-Institut Deutschland.
Bowlby, J. (1973). Attachment and Loss: Vol 2. Separation: Anxiety and Anger. New York: Basic Books.
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Neus aus der Substitutionsbehandlung – Opioidsubstitution in der Hausarztpraxis 🎥
Abstract
Thema: Neues aus der Substitutionsbehandlung – Opioidsubstitution in der Hausarztpraxis
1. Was sind die aktuellen diagnostischen und therapeutischen Standards in der hausärztlichen Versorgung von alternden Opioidsubstituierten? Mit infektiologischen, geriatrischen und palliativmedizinischen Aspekten (15-20 Minuten) – Konrad Isernhagen / Köln, 15-20 Minuten)
2. Bronchialkrebs-Früherkennung mit niedrigstrahligem CT bei Opioidsubstituierten mit zusätzlicher Tabakabhängigkeit und wie können wir ihnen beim Ausstieg beiseitestehen? (T. Rüther, München, 15-20 Minuten)
3. Die psychiatrische Anamnese bei Opioidsubstituierten in der hausärztlichen Praxis (P. Jeschke, Halle, 15-20 Minuten)
Zeit für Fragen und Antworten jeweils 10 Minuten
Moderation: Hans-Günter Meyer-Thompson und Tobias Rüther
Inhalt
Vor vierzig Jahren haben die damaligen Pioniere der medikamentengestützten Behandlung der Opioidabhängigkeit in Deutschland sich vornehmlich mit der Behandlung von Abszessen und mit der Diagnostik von HIV und Hepatitiden beschäftigen müssen.
Dank der Einführung von wirksamen Medikamenten gegen AIDS und Hepatitis C und dank der Opioidsubstitution haben viele unserer Patientinnen und Patienten überlebt.
Damit hat sich aus das Profil der haus- und fachärztlichen Behandlung geändert. In diesem Seminar stellen wir verschiedene neu hinzugekommene Aspekte der hausärztlichen Diagnostik und Behandlung von Opioidsubstituierten vor.
1. Konrad Isernhagen (Köln) wird einen Überblick aus allgemeinmedizinischer, internistischer und infektiologischer Sicht geben. Stichworte: das Krankheitsbild vorgealterter Substituierter, was nach der HCV-Behandlung zu beachten ist, Wechseljahre/Methadon/Osteoporose, HIV-Viruslast unter der Nachweisgrenze – worauf hausärztlich zu achten ist, Polypharmazie bei Multimorbidität, Schmerzbehandlung, Versorgung im Altersheim, palliativmedizinische Fragen u.a.m.
2. Heutzutage sterben ähnlich viele Substituierte an den Folgen des Tabakkonsums wie am Heroin, hieß es 2025 in dieser Publikation in Addiction: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12586767/
Zum 1. April 2026 ist nun die Bronchialkrebs-Früherkennung mit niedrigstrahligem CT unter bestimmten Bedingungen in die Kassenleistungen aufgenommen worden. Tobias Rüther, Leiter der Tabakambulanz an der LMU München, wird erläutern, wie dieses diagnostische Angebot Einzug halten kann in Substitutionspraxen, und wie eine auf Schadensminderung ausgerichtete ärztliche Beratung aussieht.
3. Opioidsubstituierte weisen einen hohen Anteil an zusätzlichen psychiatrischen Erkrankungen auf. Welche diagnostischen Instrumente und Screeningverfahren haben sich bewährt in Praxen mit wenig psychiatrischen Vorkenntnissen? Ein Schnellkurs von Peter Jeschke (Halle/Saale) für die hausärztliche Praxis.
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Crack und Drogenmarkt 🎥
Abstract
Thema: Crack-Konsum in der Stadt Zürich: Konsummonitoring als Mittel zur evidenzbasierten Angebotsentwicklung | Florian Meyer
Die Stadt Zürich betreibt mehrere niederschwellige Kontakt- und Anlaufstellen mit integrierten Drogenkonsumräumen, die insbesondere von Menschen mit Crack-Abhängigkeit genutzt werden. Rund 1’000 Personen nehmen dieses Angebot regelmässig in Anspruch; monatlich werden etwa 30’000 Konsumvorgänge unter medizinischer Aufsicht durchgeführt. Diese Einrichtungen fungieren als Schutzräume, in denen neben der Schadensminderung auch sozialarbeiterische und medizinische Interventionen möglich sind. Im Januar 2026 wurde ein systematisches, pseudonymisiertes Konsummonitoring eingeführt, das erstmals eine kontinuierliche und differenzierte Erfassung des Konsumverhaltens erlaubt. Innerhalb der ersten zehn Monate wurden rund 250’000 Konsumvorgänge dokumentiert und mit soziodemographischen Merkmalen verknüpft. Dadurch entsteht eine bislang einzigartige
Datengrundlage, die es ermöglicht, Entwicklungen innerhalb der Drogenszene nahezu in Echtzeit zu beobachten. Der Vortrag präsentiert erste Erkenntnisse aus dem Monitoring, zeigt dessen Potenziale für die evidenzbasierte Weiterentwicklung von Schadensminderungsangeboten auf und diskutiert methodische sowie ethische Herausforderungen. Zudem werden die Grenzen der Datenerhebung im Kontext
niederschwelliger Angebote reflektiert und Implikationen für Praxis, Forschung und Gesundheitspolitik abgeleitet.Thema: Einblicke in den Konsum | Jennifer Blaine
Der Drogenmarkt und die Konsummuster in Großstädten wie Frankfurt am Main haben sich spürbar verändert. Während früher Heroin und Kokain das Szenebild prägten, bestimmt heute vor allem Crack den Alltag. Aus meiner langjährigen eigenen Erfahrung habe ich diesen Wandel selbst mitgemacht; durch meinen heutigen Kontakt zu Menschen in der Frankfurter Szene weiß ich , wie die Realität vor Ort aussieht. In meinem Vortrag gebe ich Einblicke in Verhaltensänderungen bei Konsumierenden, Marktdynamiken und die Herausforderung für Betroffene, wie Hilfesysteme.
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Buprenorphin für alle? 🎥
Abstract
Thema: Opioidsubstitutionstherapie in der Primärversorgung: Erfahrungen aus Finnland | Prof. Dr. Kaarlo Simojoki
Finnland hat die Opioidsubstitutionstherapie schrittweise stärker in die reguläre Gesundheitsversorgung integriert. Neben spezialisierten Suchtkliniken spielt die Primärversorgung bei der Durchführung der Behandlung eine wichtige Rolle. Gleichzeitig hat Finnland im internationalen Vergleich einen hohen Anteil von Buprenorphin-basierten Behandlungen und umfangreiche Erfahrungen mit der Einführung neuer Arzneimittelformulierungen gesammelt.
Der Vortrag beschreibt die Organisation der Opioidsubstitutionstherapie im finnischen Versorgungssystem, die Rollen verschiedener Leistungserbringer sowie die Erfahrungen mit der Integration der Behandlung in die Primärversorgung. Anhand von Beispielen werden Chancen und Herausforderungen einer breiteren Verfügbarkeit der Behandlung diskutiert. Besonderes Augenmerk gilt der Zugänglichkeit der Versorgung, der Kontinuität der Behandlung sowie den Erfahrungen mit Buprenorphin als zentralem Bestandteil der finnischen Opioidsubstitutionstherapie.