Abstract
Thema: Konzept Vorstellung der Station C4 des LMU Klinikums München – Von der „alten Entzugspflege“ zur Therapeutischen Suchtpflege | Stefani Burghausr
1. Hintergrund & Ausgangslage
In den vergangenen zwei Jahren vollzog die stationäre Suchtbehandlung der Station C4 der LMU München einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Das bisherige Arbeitskonzept war primär auf die reine, symptomorientierte Alkoholentgiftung mit Zeitfenstern von 21–35 Tagen und schnellen administrativen Konsequenzen bei Konsumereignissen ausgerichtet. Die Rolle der Pflege war hierbei überwiegend funktionell geprägt.
2. Kernelemente des neuen Pflegekonzeptes („Therapeutische Suchtpflege“)
Das neue Konzept erweitert die Qualifizierte Entgiftung zu einer ganzheitlichen, beziehungs- und prozessorientierten Therapeutischen Suchtpflege:
· Offenes & diagnosenübergreifendes Spektrum: Behandlung aller stoffgebundenen Suchterkrankungen.
· Ganzheitliche Integration von Begleiterkrankungen: Individuelle Mitbehandlung psychiatrischer Komorbiditäten nach Patientenwunsch.
· Erweitertes Gruppen- & Modulangebot: Pflegegeleitete Gruppen (Skills, Info, Montags-Orga, Kochen) ergänzt durch Ergotherapie, Achtsamkeit, PME, Depression & Sucht, Sport und Wochenend-Vorbereitung.
· Enttabuisierung von Rückfällen: Ein Rückfall wird als Erkrankungssymptom und Lernfeld verstanden. Die offene und eigenverantwortliche Ansprechbarkeit von Suchtdruck wird positiv bewertet und mittels Rückfallprotokollen im interdisziplinären Team aufgearbeitet.
· Ressourcenorientierter Rückzugsort: Einrichtung eines Kreativ- und Ruheraums mit Abschiedsbaum (Papiervögel als Impuls für Nachfolgende), bemaltbarer Glasfront, Bücherauswahl und einem Schicht für Schicht geleerten anonymen Kummerkasten für präventive Risikominimierung.
3. Kennzahlen der Station C4
· Kapazität: 22 stationäre Betten (3 × 4-Bett-, 5 × 2-Bett-Zimmer) sowie 16 teilstationäre Tagesklinik-Plätze.
· Interdisziplinäres Team: 2 Stationsärzte, 1 Tagesklinik-Arzt, 6 Psychologinnen (Stationär & Tagesklinik), 17 VK Pflegedienst Station und 2,5 VK Pflegedienst Tagesklinik.
4. Zielsetzung & Mehrwert für Patient:innen
Durch längere Verweildauern in der primären Abstinenzphase werden Verhaltensänderungen nachhaltig stabilisiert. Die Patient:innen erwerben praxisnahe Fertigkeiten zur Cravings-Bewältigung, Hochspannungs-Skills, Notfallpläne und Emotionsregulation – bei gleichzeitiger Wahrung ihrer Autonomie und Eigenverantwortung während des gesamten Klinikaufenthaltes.
Thema: tba | Mario Germanus
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